„Rechnet mit uns“ – Aufbruchsstimmung und Wirklichkeit im Jahr 1938
Die Spielzeit 1937/38 endete für die Fußballer des Post SV Hamburg mit einem echten Ausrufezeichen.Mit 52:21 Toren und 27:5 Punkten sicherte sich die Mannschaft souverän die Meisterschaft der 1. Kreisklasse Alster-Staffel und stieg erstmals in die Bezirksklasse auf.
Ein Zeitungsausschnitt vom 21. August 1938 – leider ist nicht mehr bekannt, aus welchem Blatt er stammt – zeigt sehr schön, mit welchem Selbstverständnis man damals in die neue Spielklasse startete.
Schon die Überschrift "Post SV: Rechnet mit uns“ verrät viel über die Stimmung: selbstbewusst, angriffslustig, ein wenig pathetisch – und herrlich typisch für die Sportberichterstattung jener Zeit. Die folgenden Zeilen entfalten dann den ganzen Charme der 1930er-Jahre-Rhetorik:
„Wir Postsportler sind als Fußballer neu in der Bezirksklasse, aber rechnet mit uns. Unsere Mannschaft ist mit guten Könnern besetzt und sie versteht, eine kluge Klinge zu schlagen, was auch die Tatsache beweist, daß wir Bezirksklassenvereine schon besiegten.“
Heute liest man solche Sätze mit einem Schmunzeln. „Eine kluge Klinge schlagen“ – wenn moderne Fußballtrainer das sagen würden, käme wahrscheinlich sofort jemand mit der Videoanalyse um die Ecke. Aber damals gehörte diese sprachliche Theatralik einfach dazu. Sporttexte durften noch ein bisschen nach Heldensaga klingen und Selbstbewusstsein war ausdrücklich erlaubt.
Ganz so verheißungsvoll, wie der Artikel vermuten ließ, verlief die Saison 1938/39 dann allerdings doch nicht. Am Ende stand der Post SV als Sechster von zehn Mannschaften da – mit 33:45 Toren und 15:21 Punkten. Solide, aber eben doch weit entfernt von den „wir werden die Bezirksklasse aufmischen-Tönen" des Sommers. Man könnte sagen: Die Realität zeigte, dass die Gegner ebenfalls wussten, eine „kluge Klinge“ zu schlagen.
Und gerade deshalb ist der Zeitungsausschnitt so wertvoll. Er erzählt nicht nur vom sportlichen Aufbruch, sondern auch vom Selbstverständnis eines Vereins, der sich nicht verstecken wollte. Er zeigt eine Zeit, in der Fußball noch mit anderen Worten beschrieben wurde – schwungvoller, selbstsicherer und oft mit diesem fast literarischen Tonfall, der heute ein wenig aus der Mode gekommen ist.
Der obige Ausschnitt ist somit ein lebendiges Stück Vereinsgeschichte: Ein kleiner Blick in das Jahr 1938, als der Post SV voller Optimismus verkündete: „Rechnet mit uns.“ Und die Bezirksklasse antwortete freundlich, aber bestimmt:„Machen wir – aber wir rechnen zurück.“...